Bruno Blog

Wer sind denn eigenltich diese Pfadfinder?

Man kennt sie aus Filmen, Kinderserien, manchmal auch aus Erzählungen: die Pfadfinder. Sie klingeln
an Türen und verkaufen Kekse, leben in der Natur und umarmen Bäume. Sie übernachten
ausschließlich in Zelten und machen Lagerfeuer, weil sie sich keine Wohnung mit anständiger
Heizung leisten können. Sie erhalten Abzeichen, wenn sie einer Oma über die Straße helfen, wie sich
Filmen und Kinderserien entnehmen lässt. Doch Pfadfinder sein bedeutet etwas ganz anderes als
Abzeichen sammeln und Zelte aufbauen – und vor allem viel mehr als das.
Bereits 1907 veranstaltete der britische General Robert Baden-Powell auf der englischen Insel
Brownsea Island das erste Pfadfinderlager. Dieses Probelager wurde damals mit nur 21 Jungen
eigenhändig von Baden-Powell veranstaltet und gilt als Beginn der Pfadfinderbewegung.
Seitdem ist es Pfadfinderinnen und Pfadfindern aus der ganzen Welt gestattet, auf Brownsea Island
zu übernachten, während alle anderen Besucher die Insel mit der letzten Fähre um 17:00 Uhr
verlassen müssen.

Heute gehören weltweit mehr als 41 Millionen Kinder und Jugendliche der Pfadfinderbewegung an
und man findet diese in 216 Ländern und Territorien – also praktisch überall auf der Welt. Dabei wird
der Großteil der Pfadfinderinnen und Pfadfinder in die beiden weltweiten Dachverbände World
Organization of the Scout Movement (WOSM) und World Association of Girl Guides and Girl Scouts
(WAGGGS) eingeteilt. WOSM ist dabei seit einigen Jahren koedukativ, hat also Platz für Mädchen und
Jungen. WAGGGS beschränkt sich weitestgehend auf weibliche Mitglieder und kommt eher einer
Emanzipationsbewegung gleich, da der Verband sich für die Rechte und die Gleichstellung der Frau
einsetzt.

In allen Ländern und so auch in Deutschland gibt es viele größere und kleinere Pfadfinderverbände.
Die rund 260.000 Pfadfinderinnen und Pfadfinder in Deutschland teilen sich so beispielsweise auf die
Verbände DPSG, VCP, BdP, DPV, RR und viele weitere kleinere auf. Im Folgenden soll es vor allem um
die Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) gehen, der auch der Stamm St. Bruno angehört
und welcher mit ca. 95.000 Mitgliedern den größten deutschen Verband darstellt. Die DPSG ist in 25
Diözesen vertreten und in 137 Bezirke aufgeteilt. In diesen Bezirken gibt es unterschiedlich viele
Stämme, sodass die DPSG insgesamt rund 1400 Stämme zählt. Im Bezirk Düsseldorf gibt es so
beispielsweise 12 Stämme.
In allen Stämmen der DPSG werden die Kinder und Jugendlichen in vier wesentliche Altersstufen
unterteilt, um altersgerechte Programme und Aktionen zu ermöglichen: die Wölflinge (bis 10 Jahre),
die Jungpfadfinder bzw. Juffis (10 bis 13 Jahre), die Pfadfinder bzw. Pfadis (13 bis 16 Jahre) und die
Rover (16 bis 21 Jahre).

Doch was bedeutet es nun eigentlich, ein Pfadfinder zu sein?

Gründervater Robert Baden-Powell strebte damals das Ziel an, die Entwicklung von jungen Menschen
– unabhängig von Herkunft, Rasse oder Glauben – so zu fördern, dass diese als
verantwortungsbewusste Bürger in der Gesellschaft mitwirken und mitbestimmen können. Dabei
stehen die Erziehung zur Selbstständigkeit und die frühzeitige Übernahme von Verantwortung im
Mittelpunkt. Dazu schuf er allgemeine Leitlinien, die heute als das Pfadfindergesetz bezeichnet
werden. Grundpfeiler darin sind der respektvolle Umgang mit Mitmenschen, Hilfsbereitschaft,
Meinungsäußerung und -vertretung sowie ein gesundes Umweltbewusstsein. Aus dieser Vorstellung
heraus entwickelte sich das gängige Konzept „Learning by Doing“, welches in allen
Pfadfinderverbänden weltweit fokussiert wird. Kinder und Jugendliche sollen also durch
Ausprobieren und Erfahren lernen und so Teil der Gesellschaft werden.

Egal ob als Wölfling, als Juffi, als Pfadi oder als Rover – in allen Stufen trifft man sich bei uns zu
wöchentlichen Gruppenstunden in festen Gruppen, entwickelt verschiedenste Projekte und führt
diese durch. In den jüngeren Stufen wird viel gespielt und gebastelt; in den älteren Stufen hingegen
werden größere Projekte realisiert, Treffen mit anderen Stämmen aus dem Umkreis Düsseldorf
durchgeführt oder sogar internationale Begegnungen ermöglicht. Auch hier steht die Mitbestimmung
im Fokus, wobei die geplanten Projekte immer ausschließlich von den Gruppenkindern selbst
bestimmt werden. Einen besonderen Höhepunkt stellen gemeinsame Zeltlager und Fahrten
(sogenannte Haiks oder Hikes) in ganz Deutschland oder auch in anderen Ländern dar. So fahren wir
regelmäßig in den Ferien für mehrere Tage oder Wochen weg, übernachten in Kohten und Jurten,
führen gemeinsame Aktionen wie Wanderungen oder Abenteuerspiele durch und sitzen bis zum
Sonnenaufgang singend am Lagerfeuer. Ein ganz besonderes Zeltlager ist das World Scout Jamboree.

Ein Weltpfadfindertreffen, welches erstmals 1920 in London mit 8000 Pfadfindern aus 27 Ländern
stattfand. Das nächste Jamboree wird 2019 in West Virginia, USA stattfindet und es werden mehr als
40.000 Pfadfinderinnen und Pfadfinder aus über 150 Ländern erwartet.
Auch wenn man als Pfadfinder natürlich ein paar Knotentechniken kennen muss und wissen sollte,
wie man Zelt aufbaut, ist das Pfadfindersein lange nicht so klischeebehaftet, wie die meisten
annehmen. Es gibt viel zu entdecken und zu erforschen in der Welt – und das lässt sich am besten in
einer Freundesgruppe mit vielen einzigartigen Persönlichkeiten. Gerade die Freundschaft und das
gemeinsame Erleben sind wohl die wichtigsten Pfeiler der Pfadfinderbewegung.

Bruno Blog

Mit dem Brunobus durch Kroatien

Es ist mal wieder soweit und wir sitzen im Bus auf dem Rückweg einer fabelhaften Reise, von der wir gerne berichten möchten. Wir Rover (fünf 16 bis 18-Jährige und zwei Leiter) starteten Mitte August in Düsseldorf, um folglich für zwei Wochen Kroatien unsicher zu machen. Wir waren die ganze Zeit mit einem Van unterwegs, in den eigentlich 9 Leute passen, trotzdem mussten wir uns mit dem ganzen Camping-Gepäck ganz schön quetschen zumal nach einer Woche sogar noch ein weiterer Leiter dazukam.

Wir hielten nach 8 Stunden als erstes in Kitzbühel und konnten dort eine Nacht bei sehr netten, österreichischen Pfadfindern verbringen. Dann ging es weiter über Ljubljana (eine wunderschöne, für Slowenien erstaunlich fortschrittliche Stadt) bis nach Istrien, wo wir einen massiv überfüllten Campingplatz mit der Größe einer Kleinstadt vorfanden. Wir hatten uns vor der Reise leider nicht gänzlich über Schlafplätze informiert und etwas passendes zu finden stellte sich erstaunlich schwieriger heraus als gedacht. Aber Übung macht den Meister und mit der Zeit wussten wir, worauf wir beim Suchen zu achten hatten.

Zuerst schauten wir uns die Halbinsel Istrien mit ihren vielen kleinen, verlassenen, malerischen Dörfern aber auch großen, überlaufenen Städten an. Dann ging es weiter über Rijeka immer die Küste entlang…

Im Lager ist es ab einem gewissen Alter üblich, ein oder zwei Nächte ohne Leiter zu verbringen. Also bekamen wir Rover den Bus und waren auf uns gestellt, um gleich darauf ein erstes kleines Abenteuer zu erleben. Wir kamen um kurz nach 9 Uhr am rausgesuchten Campingplatz an, der jedoch leider um 9 schloss und nicht gerade gut auf eine Gruppe Jugendlicher zu sprechen war. Also mussten wir weiter, um in der Dunkelheit irgendwie einen Platz zu finden, der noch offen hatte. Wir wurden schließlich fündig, bauten mit Müh und Not im Sturm und mit hartem Boden unsere Zelte auf und kochten, um dann bei Mitternacht endlich Abendessen zu können. Trotz der ganzen Strapazen dieser Nacht schweißte sie uns ebenso mehr zusammen und wurde zu einer Geschichte, über die wir mit Sicherheit bald schon lachen werden.

Nach diesem kleinen Abenteuer ging es dann unbeschadet weiter Richtung Süden in den Nationalpark Plitvicer Seen. Ein unglaublich schöner Park, mit türkisen Seen, Wasserfällen und allem was die kroatische Natur so zu bieten hat.

Am nächsten Tag besuchten wir Zadar, eine der größeren Städte Kroatiens, wo wir einen weiteren Leiter einsammelten und uns die Stadt anschauten.

Nun war praktisch Halbzeit und es ging wieder zurück in den Norden, diesmal aber mit Autofähren über die Inseln Pag, Rab und Krk. Überall sehr karge Landschaft, dafür aber tolle Strände, an denen wir auch mal die Seele baumeln lassen konnten. Bei allen Pfadfindern ist es üblich, in jeder Stufe ein Versprechen an die Gruppe abzugeben, um sich selber zu reflektieren und sich in Zukunft besser zu verhalten. Auf Krk war es dann soweit und eine Roverin konnte im Mondschein unter Oliven-Bäumen ihr Versprechen vor der Gruppe ablegen. Ein Ritual, durch das die ohnehin schon vertraute Gruppe noch mehr zusammenwuchs.

Schließlich fuhren wir auch schon wieder nach Slowenien, diesmal aber in die Postojna Höhlen. Eine riesige Tropfsteinhöhle mit 25 km Länge und 40 Meter hohen Räumen im Innern! Wir hätten wohl alle nicht gedacht, dass es so enorme Tropfsteine in diesen Ausmaßen gibt.

Die vorletzte Nacht verbrachten wir in der Nähe von Trieste auf einem Pfadfinder-Zeltplatz – schließlich wollten wir unbedingt in vier verschiedenen Ländern übernachten – und so kamen wir dann wieder in Kitzbühel an.

So viel zum ganz groben Ablauf der Reise…

Wir haben wahnsinnig viel gesehen und noch mehr erlebt, sodass es uns allen vorkam als wären wir schon Wochen oder Monate unterwegs.

Das Essen war wie immer herausragend in Bruno, wenn auch oft sehr improvisiert und nicht ganz klassisch (in Kitzbühel ein improvisiertes Restefrühstück: Nudeln mit Pilz-Sahne-Sauce vom Vortag und Bananenmilch).

Ansonsten werden wir wohl hoffentlich für lange Zeit nicht mehr Busfahren müssen, das ist gerade auf den engen Bergpässen sehr anstrengend, auch wenn man direkt an der kroatischen Küste natürlich traumhafte Ausblicke genießt. Und morgens im 40 Grad warmem Hike-Zelt aufzuwachen ist auch gewöhnungsbedürftig, aber das gehört natürlich zum Pfadfindersein dazu.

Die Roverrunde jedoch ist dabei noch viel besser zusammengewachsen als sie es ohnehin schon war. Neue Freundschaften sind entstanden und alte wurden gefestigt und wir hatten wie immer sehr sehr viel Spaß mit langen Singabenden und oft wenig Schlaf.

Abschließend kann man sagen, dass Kroatien für viele von uns wohl das bis jetzt beste Sommerlager war und in den nächsten Jahren schwer zu toppen wird… Kroatien als Land ist überraschend abwechslungsreich, mit viel mehr grün als gedacht und vielen, schönen Ecken. Lohnt sich also auf jeden Fall, man muss die Hitze nur mögen. J