Pfadfinden ist mehr als ein Abenteuer

 

Pfadfinden bei der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) bietet Kindern und Jugendlichen mehr als ein Abenteuer. Es bietet ganz viele Abenteuer:

  • mit Freundinnen und Freunden Spaß haben,
  • in der Natur unterwegs sein,
  • Neues entdecken und ausprobieren,
  • gemeinsam in der Gruppe das eigene Umfeld gestalten.

Pfadfinden ist aber immer auch ein persönliches Abenteuer. Denn es geht auch um den Einzelnen, um die ganz individuellen Stärken, die jede und jeder mitbringt. Und schließlich sind wir auch im Glauben unterwegs.

Unser Verständnis für die Welt beruht auf den Grundsätzen des christlichen Glaubens. Selbstverständlich übernehmen Pfadfinderinnen und Pfadfinder auch Verantwortung für die Natur und setzen sich für die Umwelt ein. Alles in allem macht Pfadfinden Kinder und Jugendliche zu starken und selbstständigen Persönlichkeiten und bietet ihnen Erlebnisse und Erfahrungen, die wertvoll für ihr weiteres Leben sind.

Pfadfinden ermutigt Kinder und Jugendliche dazu, Verantwortung für sich, ihre Mitmenschen und ihre Umwelt zu übernehmen. Schritt für Schritt erlernen sie politisches Verhalten durch aktive Mitbestimmung.“

So steht es auf der Homepage der DPSG. Das ist der Verband, zu dem auch wir, die Brunopfadis gehören. Und ja, das kann ich alles bestätigen. DAS ist pfadfinden.

 

Wie ich dazu kam? Naja, meine Mama war Leiterin der Wölflinge bei uns im Pfadfinderstamm und ich war 9 Jahre alt. Also passte ich wunderbar zu den Wölfingen, das ist die Gruppe bzw. Altersstufe bei den Pfadfindern, wo man mit 7 Jahren anfangen kann und ich wurde einfach mitgenommen. Und es war klasse und hat mir von Anfang an Spaß gemacht, so dass ich irgendwie dabeigeblieben bin. Das tollste waren immer die Ferienlager. Unser erstes Ferienlager war eigentlich nur ein langes Wochenende in Wuppertal in der Jugendherberge. Aber da hat mich wohl das Fieber gepackt. Ich habe alle Stufen mitgemacht, von den Wölflingen bis zu den Rovern. Irgendwann war ich dann zu alt für das Gruppenkind-Dasein und so bin ich eben Leiterin geworden. Gestartet habe ich auch hier bei den Wölflingen und auch das ist schon eine ganze Weile her, so sind ein paar von meinen ersten Wölflingen inzwischen auch schon Leiter. So wird das Zepter immer weitergegeben. Und auch meine Mama und einige andere Leiterinnen und Leiter der ersten Generation sind der Pfadfinderei treu geblieben und unterstützen uns bzw. den Stamm als  „Pfadfinder Veteranen Club – PVC“ J, im Förderverein und wo sie können. Inzwischen sind einige Leitergenerationen herangewachsen und wir freuen uns, dass es immer noch weitergeht und Pfadfinder auch im Jahr 2018 für uns immer noch total cool sind.

Mir macht es auf jeden Fall immer noch großen Spaß. Selbst ein Jahr außerhalb von NRW und mein Studium in Aachen konnten mich nicht von den Brunopfadis trennen. Ich habe mittlerweile selber zwei Kinder und beide waren auch schon mal mit uns im Sommerlager. Wenn auch noch nicht als Wölflinge, aber das kommt sicher noch, so wie bei ein paar aktuellen Wölflingen, deren Eltern auch schon Gruppenkinder und Leiter bei uns waren.

30 Jahre, das heißt auch unzählige Gruppenstunden, Stammesversammlungen, Aktionen im Stamm und natürlich viele tolle Fahrten und wir waren wirklich jedes Jahr unterwegs, es gab keinen Sommer, in dem die Brunopfadis nicht irgendwo waren. Nicht immer alle, aber immer irgendwer. Wir sind wirklich stolz, dass das jedes Jahr geklappt hat und nicht aufgrund von Leiter- oder Teilnehmermangel ausgefallen musste.

Highlights waren sicher unsere Fahrt 1993 mit dem ganzen Stamm nach Bude an der englischen Atlantikküste oder unsere Stufenfahrten nach Schottland, Irland oder Frankreich. Aber auch die Fahrten nach Vreden im Münsterland oder Ernzen in der Eifel waren besonders und auch die, wo es nur geregnet hat. Egal ob viel Sonne oder viel Regen, gerade an die Extreme erinnert man sich doch erstaunlich häufig. Aber nicht nur vom Ziel waren unsere Fahrten sehr unterschiedlich, es war auch immer besonders mit wem man unterwegs war. Ein Sommerlager mit dem ganzen Stamm ist schon anders als ein Wanderhike mit einer kleineren Gruppe z.B. nach Schottland, wo man als Pfadigruppe, das sind die zwischen 13 und 16 Jahren, seine Fahrt selber mitplant und mitentscheidet wo die Reise hingeht und wenn es der Sommersitz der britischen Königsfamilie in Schottland ist,  um einmal Prinz Harry zu treffen. Na gut, er war nicht da, aber das Schloss war trotzdem nicht schlecht.

 

Aber auch an uns sind die 30 Jahre nicht spurlos vorbeigegangen, vieles ist gefühlt schwieriger geworden. Die Zeit in der Grundschule mit dem offenen Ganztag hat auch unsere Gruppenstundenarbeit verändert. Es ist nicht immer leicht, Kinder und Eltern zu motivieren, nach einem langen Schultag noch am frühen Abend zu den Wölflingen zu kommen. Aber auch die Älteren sind in der Schule oft länger gebunden und überlegen dann, ob sie wirklich noch Pfadfinder sein wollen. Uns Leitern geht es oft ähnlich. Sich neben dem Studium oder einer Ausbildung ehrenamtlich zu engagieren ist manchmal schon eine Herausforderung. Und so kommt es, dass wir regelmäßig überlegen, wer hat wann Zeit und übernimmt welche Stufe? Das Leiterkarussell ist also ständig in Bewegung und immer wieder eine Herausforderung, der wir uns aber immer noch gerne stellen. Viele von uns waren selber Gruppenkinder im Stamm und das wollen wir „unseren“ Kindern auch ermöglichen, denn Pfadfinder sind cool und man bleibt es irgendwie auch immer.

Doch was machen wir genau? – Und ja, auch wir kennen die meisten Vorurteile, „Pfadfinder, da sind doch die Neffen von Donald Duck, diese Fähnlein Fieselschweif-Jungs?“ oder „Pfadfinder? Das sind doch die, mit der guten Tat jeden Tag und so“

Aber auch wir sind ein „normaler“ Jugendverband, in unseren Gruppenstunden wird gespielt und gebastelt, gebaut und diskutiert, gekocht und Quatsch gemacht. Wir gehen zelten, machen Lagerfeuer und singen, wir treffen uns mit anderen Pfadfindern aus dem Bezirk Düsseldorf und der Diözese Köln und es ist uns wichtig, dass die Kinder mitbestimmen können, was in den Gruppenstunden gemacht wird. Jeder bringt seine Ideen ein und alle feilen zusammen am Programm. So ist jeder mit verantwortlich wo die Reise im nächsten Sommerlager, aber auch in unserem Stamm hingeht. Wir wählen, auch schon die Wölflinge, unseren Vorstand selber, in der Leiterrunde sind wir nicht immer eine Meinung, aber wir suchen gemeinsam nach Lösungen, wir lachen und sind alle etwas bekloppt, aber das ist gut so.

Wir sind gespannt auf die weiteren Herausforderungen und wo es die nächsten 30 Jahre mit uns hingeht. Es wird sicher anders als zu meinen Anfangszeiten, aber ich freu mich drauf und dann wird es sicher weiter eine „geile Zeit“ als Pfadfinderin bei den Brunopfadis.

Geschrieben von: Miriam Blum